Fr, 21. Feb 2020, 20:00 h - 22:00 h Kinder- und Babytrödel
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So, 23. Feb 2020, 19:00 h - Hommage an Pablo Casals
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So, 23. Feb 2020, 17:00 h - Abendgottesdienst
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NS-Vergangenheit

Lagerzaun
Foto: Jordan Holiday/Pixabay.com

Jetzt neu: Schnee von gestern!

von Katja Neppert

Als ich mit 12 Jahren auf Klassenfahrt zum Rodeln im Sauerland war, merkte ich: Schnee von gestern ist eine gefährliche Sache: Der schöne Pulverschnee von gestern hatte über Nacht eine Eiskruste bekommen. Das Rodeln wurde schneller, gefährlicher und das arme Hinterteil bekam ganz schön etwas ab beim Fliegen über die vereisten Dellen!

So viel zum sprachlichen Bild. Tatsächlich ist die aktuelle Nachricht von gestern heute der Gegenstand der Hintergrundrecherche. Und manche Hintergrundrecherchen bleiben sehr lange wichtig.
Besonders trifft dies zu auf die Geschichte der Judenverfolgung und der nationalsozialistischen Verbrechen in Deutschland 1933 – 1945.
Eigentlich wäre anzunehmen, dass der Verlauf der Geschichte und die monströsen Verbrechen von damals Grund genug wären, um für alle Zeit gefeit zu sein gegen die Einstellungen, die u.a. der Ermordung von 6 Millionen Juden, der gnadenlosen Vernichtung sogenannten ‚unwerten Lebens‘, der Verfolgung politischer Gegner und dem systematischen Verhungernlassen von Bürgerinnen und Bürgern weiter Teile der damaligen Sowjetunion zugrunde lagen.
Doch so sind die Menschen leider nicht.

Zu Beginn der 1970er Jahre wurde ich eingeschult. In dieser Zeit sickerte langsam die Erkenntnis in weite Teile der Bevölkerung Westdeutschlands ein, dass Deutsche nicht nur unter dem Krieg gelitten hatten, sondern dass viele Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus profitiert hatten von der Enteignung der jüdischen Mitbürger. Sie hatten ignoriert, wenn jüdische Nachbarn, behinderte Kinder, Sinti und Roma, Homosexuelle oder Kommunisten aus ihrem Umfeld verschwanden. Deportiert wurden. Ermordet wurden. Sie hatten sich mindestens der Mitwisserschaft schuldig gemacht. Manche waren aktive Helfer der Verbrechen.
Als Nachkriegskind hatte ich damit eigentlich nichts zu tun, aber ich spürte die Lähmung der Gesellschaft durch das Leugnen der Verbrechen, die sich langsam löste. Und ich wollte helfen - größenwahnsinnig, wie Kinder eben sind. Was hat die eigene Familie in der NS-Zeit getan? Opa, Oma, Onkel – wofür tragen sie Verantwortung und welche Entscheidungen haben sie getroffen? Es ist sehr schwer, solche Fragen zu stellen. Es bedeutet zu riskieren, das der Boden, auf dem ich stehe, unsicher wird. In meiner Generation haben viele begonnen, sich der Angst vor der NS-Vergangenheit zu stellen. Vielfach habe ich gesehen, wie Familien Risse bekamen oder wie aus Schweigen andere Probleme entstanden sind.

Und heute? Heute ist so viel bekannt und beurkundet. Es hat Entschädigungszahlungen und Reparationsverträge gegeben und es gibt das Grundgesetz. Aber die Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen ist kein Schnee von gestern. Sie ist brandaktuell.
In der Ideologie der NSU-Terrorzelle, im Anschlag auf das Olympia-Einkaufszentrum in München und in dem Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle lebt die alte Geisteshaltung fort. Trotz all der furchtbaren Erfahrungen gibt es weiterhin Menschen, denen rassistische, völkische und antisemitische Ideologien zusagen!
Diese Leute sind gar nicht weit weg. Darauf bringt mich das Wissen, dass hier in Neukölln muslimische Gemeinden Drohbriefe erhalten. In der Bezirksverordnetenversammlung werden antisemitische Anfragen gestellt. Nicht-christliche religiöse Symbole wie Kopftuch oder Kippa erzeugen Aggressionen, Beschimpfungen und Bedrohungsgefühle.
Und dazu kommen noch medial verbreitete Sprechweisen, dass die NS-Vergangenheit ja heute nun wirklich kein Thema mehr sei - verknüpft mit einem Gestus der Genervtheit. Als ob nicht die geschehenen Verbrechen, sondern die Auseinandersetzung damit Grund zur Sorge böten!

Hier geht es nicht um Unwissenheit. Es geht um Nichtwissen-Wollen und die bewusste Weigerung sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und zu schauen, welche Werte und Handlungen sich heute daraus ergeben. Es mag sein, dass meine Konsequenz aus der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit nicht die einzig mögliche ist. Ich darf mich nicht drücken vor der anstrengenden Aufgabe, die eigenen Überzeugungen zu rechtfertigen und mich mit Kritik auseinanderzusetzen. Mit Existenzangst, Neid, Überfremdungsängsten, Konkurrenzdruck, Misstrauen gegen Staat und Presse.
Aber es ist auch wichtig, dass ich im Namen einer vermeintlichen Toleranz nicht Menschenverachtung und Hass dulde. Diese Grenze wahr zu nehmen und entsprechend drauf zu reagieren ist manchmal ganz schön schwierig. Stichwort: Wehrhafte Demokratie.

Der Schnee von gestern ist das Glatteis von heute. Die Zeit macht ihn nicht ungefährlicher.

kindertroedel baer

Kinder- und Babytrödel am 21./22. Februar 2020

FREITAG, 21. FEBRUAR, 20-22 h
SAMSTAG, 22. FEBRUAR, 11-18 h

Kleidung für Kinder von 0 - 14 Jahre, Umstandsmode, Spielzeug, Zubehör rund ums Kind.
Es gibt selbstgemachte Leckereien und Getränke.

Der Erlös geht an die Willkommensklasse der Elbe-Grundschule.

Für den Kinder- und Babytrödel suchen wir Kleidung für Babys von 0 und Kindern bis 14 Jahre sowie Spielwaren, Bücher und jegliches Zubehör rund ums Kind.
Spenden nehmen wir zeitnah zum Termin gerne entgegen. Kleidung gerne nach Größen sortiert und beschriftet. 

Archiv-Zettelkasten

Schnee von gestern

Nikodemus Magazin Dezember 2019 - Februar 2020

Lassen Sie sich vom Magazintitel nicht täuschen! Es lohnt sich, über das Thema nach zu denken:  Wir leben in sich schnell verändernden Zeiten. Aber auch in Zeiten, in denen 60jährigen noch Bilder ihrer Jugendsünden vorgehalten sind, weil sie in digitalen Archiven taufrisch dokumentiert bleiben. Wir haben die Wahl zu entscheiden, an was wir festhalten und was wir als 'Schnee von gestern' lächelnd beiseite legen.

Sie können die aktuelle Ausgabe(ca.5,8 MB) hier herunterladen

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Veranstaltungen

Fr, 21. Feb 2020, 20:00 h - 22:00 h Kinder- und Babytrödel
Sa, 22. Feb 2020, 11:00 h - 18:00 h Kinder- und Babytrödel
So, 23. Feb 2020, 19:00 h - Hommage an Pablo Casals
So, 01. Mär 2020, 19:00 h - Trio Vortex
Fr, 06. Mär 2020, 00:00 h Pianofestival eighty-eight colours

Gottesdienste

So, 23. Feb 2020, 17:00 h - Abendgottesdienst
Fr, 28. Feb 2020, 18:00 h - Taizéandacht in St. Christophorus
So, 01. Mär 2020, 17:00 h - Gottesdienst
So, 08. Mär 2020, 17:00 h - ZEITklang Gottesdienst
So, 15. Mär 2020, 10:00 h - Gottesdienst mit Abendmahl

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